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Studie zum
Stellenmarkt 2020

Studie zum
Stellenmarkt 2020

Wie sich die Corona-Pandemie auf das Jobangebot
und den Fachkräftemangel ausgewirkt hat

Kategorien: Stellenmarkt | 18. Dezember 2020

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Selten zuvor hat ein Thema die Schlagzeilen so dominiert wie die Corona-Pandemie – kein Wunder, denn das Virus hat nie dagewesene Herausforderungen für die ganze Welt mit sich gebracht. Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Pandemie einzudämmen, hat uns einige Kraftanstrengungen in den letzten Monaten gekostet. Neben einem Notstand in der gesundheitlichen Versorgung ist die Pandemie nicht ohne Folgen für unsere Wirtschaft. Und gerade diese lassen sich auch am Stellenmarkt ablesen.

Wie hat sich der Stellenmarkt 2020 entwickelt und welche Veränderungen gibt es im Vergleich zum Vorjahr? In welchen Bereichen ist die Nachfrage nach Arbeitskräften besonders hoch? Wo fehlen Fachkräfte und warum? Welche regionalen Unterschiede machen sich bemerkbar?

Um diese Fragen zu beantworten, haben die Marktforscher*innen von index Research den Jobmarkt 2020 in Deutschland analysiert. Schon seit 2003 widmet sich index Research intensiv der Personalmarktforschung. Die Forschungsergebnisse bieten einen umfassenden Überblick zu Trends und Entwicklungen im gesamten HR-Bereich. Für den nachfolgenden Beitrag wurden die von Januar bis November 2020 geschalteten Stellenanzeigen in 184 Onlinemedien und 190 Printmedien wie Tageszeitungen und Fachzeitschriften ausgewertet.

Der Stellenmarkt 2020
im Vergleich zum Vorjahr

Zwischen Januar 2020 und November 2020 wurden deutschlandweit in den von index Research analysierten Print- und Onlinemedien über 2,7 Millionen Positionen ausgeschrieben. Dafür haben rund 300.000 Unternehmen insgesamt rund 5,1 Stellenanzeigen aufgegeben und bis Ende November eine Summe von mehr als 2,2 Mrd. Euro* investiert. Nimmt man noch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sowie die Angebote auf Firmen-Webseiten hinzu, waren es sogar 12,1 Millionen Anzeigen (für 6,4 Millionen Jobs) von rund 467.000 Unternehmen. Das sieht auf den ersten Blick nach einer ganzen Menge aus. Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt aber einen recht deutlichen Rückgang: 2019 veröffentlichten rund 296.000 Unternehmen rund 20 Prozent mehr Stellenanzeigen als 2020.

*Brutto-Anzeigenumsätze gemäß Listenpreis

Der Stellenmarkt 2020 in Zahlen:

  • 12.111.242 veröffentlichte Stellenanzeigen
  • 467.371 ausschreibende Unternehmen
  • Investierter Anzeigenumsatz: rund 2,23 Mrd. Euro

Monatliche Entwicklung:
Einbruch im April,
Erholung ab Juli

Bereits gegen Ende des vergangenen Jahres zeigte die allgemeine Konjunktur leichte Schwächen. Im Januar 2020 wurden aber wieder über eine halbe Million Stellenanzeigen veröffentlicht. Mit etwa 588.000 Inseraten waren es im Februar 2020 sogar 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Leider hielt der Aufwärtstrend nicht lange an: Nachdem die Corona-Pandemie Mitte März auch in Deutschland erreichte, wurden in den darauffolgenden Wochen weniger Stellenanzeigen veröffentlicht. Zwischen März und April 2020 sank das Angebot um 40 Prozent. Hier zeigen sich die Auswirkungen des ersten Pandemie-bedingten „Lockdowns“ und die offenbar große Unsicherheit bei den Unternehmen, neue Mitarbeiter*innen einzustellen.

In den folgenden Monaten gab es eine deutliche Erholung am Stellen- und Anzeigenmarkt. Im Sommer wurden die Corona-Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen gelockert und Ladenschließungen aufgehoben. Im Juli veröffentlichten 82.410 Firmen 476.000 Stellenanzeigen. Erstaunlicherweise hatte die erste, neuerliche Verschärfung der Corona-Regeln im Herbst bisher keine signifikanten Auswirkungen auf das Schaltverhalten. Im Gegenteil, der November 2020 war mit einem Anteil von 9,5 Prozent aller Anzeigen der viertstärkste Monat des Jahres. Die optimistische Grundstimmung, die sicher durch die vom Staat geschnürten, milliardenschweren Hilfspakete sowie den ruhigen Sommer mitgetragen wurde, konnte sich bislang halten. Im letzten Quartal haben selbst die Anzeigenumsätze noch einmal zugelegt.

Stellenmarkt 2020 im Monatsvergleich

Welches sind die
meistgesuchten Berufs-gruppen?

Auch 2020 ist es für Recruiter*innen nicht einfach gewesen, auf Anhieb passende Kandidat*innen ausfindig zu machen. Nehmen Unternehmen gerade in Krisenzeiten noch Geld für die Personalsuche in die Hand, zeigt sich, dass sie nach wie vor dringenden Bedarf haben. Aber kann man an dieser Stelle bereits von einem vielzitierten Fachkräftemangel sprechen? Die Jobmarkt-Analyse liefert hier signifikante Hinweise: Je mehr offene Jobs es in einem Segment gibt, desto größer ist der Personalbedarf. Zu den meistgesuchten Berufsgruppen 2020 gehörte mit rund 977.000 Stellenanzeigen der Bereich Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung. Allen voran waren hier Führungspositionen und Jobs in der Organisation vakant (insgesamt 664.959 Anzeigen).

Fast ebenso stark gefragt waren Arbeitskräfte in der Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung. Der Großteil der zu besetzenden Positionen betraf dabei Berufe in technischer Forschung- und Entwicklung, Fahrzeug- und Maschinenbau sowie Mechatronik-, Elektro- und Energieberufe. Vertrieb und Verkauf kommen auf rund 420.000 ausgeschriebene Stellen. Nicht ganz unerwartet ist der Gesundheitssektor auf Personalsuche. In diesem Bereich gab es rund 670.000 Jobinserate. Gesundheitspersonal wie Pflegefachkräfte und Ärzte wurden dieses Jahr so stark benötigt wie noch nie. Und auch die Transport- und Logistiksparte hat fleißig inseriert. Im Frühjahr lag die Nachfrage nach Lagerfachkräften sogar deutlich im Plus gegenüber 2019. Eine Entwicklung, die wohl nicht zuletzt dem Boom beim Online-Shopping geschuldet ist. Ebenfalls spannend: Um Lagerfachkräfte zu rekrutieren, wurde im Q3 2020 fast doppelt so viel ausgegeben wie im Q3 2019. Personaldienstleister investieren sogar fast das dreifache.

Bei der Berufsgruppe Naturwissenschaften, Geografie und Informatik entfielen von den rund 436.000 Inseraten allein etwa 390.000 auf Informatik- und andere IKT-Berufe. Software-Entwickler*innen, Systemadministrator*innen und Co. waren dieses Jahr besonders gefragt – zum Beispiel, um Software-Lösungen bereitzustellen, Online-Tools weiterzuentwickeln sowie die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen.

STELLENANGEBOTE IM VERGLEICH ZU DEN GEMELDETEN ARBEITSLOSEN:

Um feststellen zu können, ob in diesen Arbeitsbereichen auch wirklich ein Fachkräftemangel vorliegt, müssen aber noch weitere Zahlen hinzugezogen werden. Denn: Von einem Fachkräftemangel kann erst dann die Rede sein, wenn die Zahl der offenen Stellen die der Jobsuchenden übersteigt und Unternehmen deshalb Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung haben. Vergleicht man die Arbeitslosenzahlen von November 2020 mit den Jobinseraten, sind es sechs Berufsgruppen, in denen es mehr Stellenangebote als verfügbare Arbeitskräfte gibt:

Stellenangebote im Vergleich zu den Arbeitslosenzahlen

STELLENANZEIGEN VON PERSONALDIENSTLEISTERN:

Ein weiteres Merkmal, das Auskunft über den Fachkräftemangel in einem bestimmten Bereich geben kann, ist der Anteil der Stellenanzeigen, die von Personaldienstleistern wie Personalberatungen und Zeitarbeitsfirmen geschaltet wurden. Insgesamt stammt knapp ein Viertel aller 2020 veröffentlichten Stelleninserate von Personaldienstleistern. Das sind zwar mit 23,5 Prozent leicht weniger als im Vorjahreszeitraum (25,1Prozent), aber der Rückgang ist hier deutlich geringer als im gesamten Anzeigenmarkt. Das kann in erster Linie daran liegen, dass vornehmlich größere Unternehmen auf externes Recruiting zurückgreifen. Weil aber vor allem kleinere Betriebe ihre Personalbeschaffung auf Eis gelegt haben, konnten Personaldienstleister weiterhin fast wie gewohnt Aufträge generieren.

Stellenanzeigen von Personaldienstleistern

Einen Personaldienstleister zu beauftragen, bedeutet ebenfalls eine nicht unerhebliche Investition in die Personalsuche. Deshalb gilt auch das als Indiz für Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Die nur geringe Abweichung bei den Personaldienstleister-Anzeigen zu 2019 macht deutlich, dass diese Schwierigkeiten trotz Krise nicht geringer geworden sind.

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VERLÄNGERTE STELLENANZEIGEN:

Ein weiterer Hinweis auf einen Fachkräftemangel ist die Besetzungsdauer. Je länger es dauert, eine Stelle zu besetzen, desto weniger geeignete Bewerber*innen stehen zur Verfügung und desto wahrscheinlicher ist ein Fachkräftemangel. An dieser Stelle kann die Laufzeit einer Stellenanzeige Aufschluss darüber geben, ob und wie schnell eine offene Position besetzt werden konnte. Die reguläre Anzeigenlaufzeit liegt, je nach Schaltort, zwischen 30 und 90 Tagen.

Verlaengerte Stellenanzeigen

Von allen geschalteten Stellenanzeigen zwischen Januar und November 2020 sind 27,7 Prozent in die Verlängerung gegangen. Ein Beweis dafür, dass sich der Personalbedarf bei mehr als einem Viertel der ausgeschriebenen Positionen nicht fristgerecht decken ließ. An dieser Stelle besteht kaum ein Unterschied zum Vorjahreszeitraum: 2019 wurde die Laufzeit bei 27,8 Prozent der Anzeigen verlängert. Es sieht wohl so aus, dass die Pandemie den Stellenmarkt nun nicht gerade mit Fachkräften geflutet hat. Das kann unter anderem auf die starke Ausweitung des Kurzarbeitergeldes zurückgeführt werden. Dadurch waren und sind Unternehmen in den meisten Bereichen vorerst nicht gezwungen, Entlassungen vorzunehmen.

Wo wird am meisten gesucht?
Der Bundesländervergleich

Wo wird
am meisten gesucht?
Der Bundesländer-
vergleich

In welchen Regionen Deutschlands werden 2020 die meisten Fachkräfte gesucht? Die regionale Verteilung der geschalteten Anzeigen weist erhebliche Unterschiede auf. Schon lange lässt sich beobachten, dass innerhalb Deutschlands ein ziemliches Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt herrscht. Insbesondere der Süden der Republik gilt traditionellerweise als stärkste Region. Der Bundesländervergleich 2020 bestätigt das wieder einmal.

Bayern ist Spitzenreiter mit 19,1 Prozent sämtlicher ausgeschriebener Stellen zwischen Januar und November 2020. Zusammen mit Baden-Württemberg (14,7 Prozent) fallen allein mehr als ein Drittel aller Inserate auf den Süden. Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen bringt es auf einen Anteil von 18,3 Prozent. Im Saarland wurden 0,7 Prozent aller Stellenanzeigen veröffentlicht. Im Osten und Norden gab es ebenfalls relativ wenig Stellenanzeigen, mit Ausnahme der Stadtstaaten Berlin und Hamburg. Auch hier spielt die Bevölkerungsdichte und die Anzahl der vorhandenen Unternehmen ganz klar eine Rolle.

Wo wird am meisten gesucht?
Der Bundesländervergleich

Wo wird
am meisten gesucht?
Der Bundesländer-
vergleich

In welchen Regionen Deutschlands werden 2020 die meisten Fachkräfte gesucht? Die regionale Verteilung der geschalteten Anzeigen weist erhebliche Unterschiede auf. Schon lange lässt sich beobachten, dass innerhalb Deutschlands ein ziemliches Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt herrscht. Insbesondere der Süden der Republik gilt traditionellerweise als stärkste Region. Der Bundesländervergleich 2020 bestätigt das wieder einmal.

Bundesländer

Bayern ist Spitzenreiter mit 19,1 Prozent sämtlicher ausgeschriebener Stellen zwischen Januar und November 2020. Zusammen mit Baden-Württemberg (14,7 Prozent) fallen allein mehr als ein Drittel aller Inserate auf den Süden. Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen bringt es auf einen Anteil von 18,3 Prozent. Im Saarland wurden 0,7 Prozent aller Stellenanzeigen veröffentlicht. Im Osten und Norden gab es ebenfalls relativ wenig Stellenanzeigen, mit Ausnahme der Stadtstaaten Berlin und Hamburg. Auch hier spielt die Bevölkerungsdichte und die Anzahl der vorhandenen Unternehmen ganz klar eine Rolle.

Wo sitzen die suchenden Unternehmen?
Der Städtevergleich

Schaut man sich die 15 größten Städte in Deutschland an, sind allein 7,6 Prozent der personalsuchenden Unternehmen in Berlin ansässig. Berlin bildet zusammen mit München (5,6 Prozent) und Hamburg (5,0 Prozent) die »Hotspots«, was die Zahl der suchenden Unternehmen betrifft. Insgesamt betrachtet sind es die Ballungszentren, wo die meisten Unternehmen neue Mitarbeiter*innen suchen. Dementsprechend hoch ist hier der Bedarf an Arbeitskräften und die Anzahl der ausgeschriebenen Positionen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Fachkräftemangel auf dem Land weniger ausgeprägt ist. Im Gegenteil: Nicht nur in den großen Städten, sondern besonders in strukturschwachen Regionen haben Unternehmen Probleme, geeignete Bewerber*innen zu finden. Gleichzeitig muss man berücksichtigen, dass in diesen Regionen weniger Unternehmen angesiedelt sind.

Wo sitzen die suchenden Unternehmen?
Der Städtevergleich

Schaut man sich die 15 größten Städte in Deutschland an, sind allein 7,6 Prozent der personalsuchenden Unternehmen in Berlin ansässig. Berlin bildet zusammen mit München (5,6 Prozent) und Hamburg (5,0 Prozent) die »Hotspots«, was die Zahl der suchenden Unternehmen betrifft. Insgesamt betrachtet sind es die Ballungszentren, wo die meisten Unternehmen neue Mitarbeiter*innen suchen. Dementsprechend hoch ist hier der Bedarf an Arbeitskräften und die Anzahl der ausgeschriebenen Positionen.

Top 15 Städte

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Fachkräftemangel auf dem Land weniger ausgeprägt ist. Im Gegenteil: Nicht nur in den großen Städten, sondern besonders in strukturschwachen Regionen haben Unternehmen Probleme, geeignete Bewerber*innen zu finden. Gleichzeitig muss man berücksichtigen, dass in diesen Regionen weniger Unternehmen angesiedelt sind.

Hat die Corona-Krise
den Fachkräftemangel verstärkt?

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dienstleister:

Die Lösung Ihrer Kandidatenfrage: In fünf Schritten zur Kehrtwende

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Kandidatenfrage

In den vergangenen Jahren hat man heftig diskutiert, ob der Fachkräftemangel nun wirklich existiert oder bloß ein Hirngespinst ist. Inzwischen bestreitet wohl niemand mehr, dass es Branchen gibt, in der Fachkräfte händeringend gesucht werden, und das nicht erst seit gestern. Die Corona-Pandemie hat noch einmal ein Schlaglicht auf die Bereiche geworfen, in denen es besonders „brennt“. Da ist zum einen das Gesundheitswesen. Es ist keine neue Erkenntnis, dass es vor allem an qualifiziertem Pflegepersonal mangelt. Das kann selbst die allermodernste Ausstattung und die fortschrittlichste Medizintechnik nicht wettmachen. Eine Tatsache, die sich aktuell immer stärker herauskristallisiert.

Homeoffice und Co. haben ausgerechnet wegen der Krise einen ungeahnten Aufschwung erfahren und die Digitalisierung vorangetrieben. Endlich einmal eine positive Nachricht, oder? Allerdings fehlen auch in diesem Bereich besonders viele Fachkräfte. Und schaut man einmal auf den Stand der Digitalisierung in Deutschlands Schulen, ahnt man Böses für die Zukunft. Die steuerberatenden Berufe können momentan über mangelnde Aufträge nicht klagen. Selbst das ist indirekt eine Folge der Pandemie. Die staatlichen Finanzspritzen sind nämlich gar nicht so einfach zu bekommen. So gibt es einen sehr großen zusätzlichen Beratungs- und damit Personalbedarf.

Welche Ursachen
hat der Fachkräftemangel?

Expertenbefragung
zum Standortmarketing

Aber warum ist es überhaupt zu einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gekommen? Dafür lassen sich gleich mehrere Ursachen ausmachen. Der wohl schwerwiegendste Grund liegt in der aktuellen Bevölkerungsstruktur. Seit Jahrzehnten sind die Geburtenraten rückläufig. Das zieht eine immer älter werdende Bevölkerung nach sich, mit drastischen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Wenn zukünftig mehr und mehr Menschen in den Ruhestand gehen, können die geburtenschwächeren Jahrgänge die Lücken nicht mehr füllen. Zwar gibt es Stimmen, die meinen, dass Digitalisierung und Automatisierung weiterhin Arbeitsplätze kosten werden. Doch es kommen viele neue hinzu und dabei vor allem solche, für die eine spezielle Qualifizierung mitgebracht werden muss.

Was sich inzwischen auch deutlich abzeichnet, ist ein Ungleichgewicht im Bildungsniveau. Zum einen kann man einen starken Run auf die Universitäten oder Fachhochschulen beobachten. Andererseits wächst die sogenannte bildungsferne Schicht und immer mehr Schulabgänger*innen haben keinen regulären Abschluss. Dadurch fehlen gerade im handwerklichen Mittelstand und im Pflege- und Gesundheitsbereich Auszubildende und somit die späteren, dringend benötigten Fachkräfte. Hinzu kommt, dass es junge Menschen verstärkt in die Ballungsräume zieht. Sie versprechen sich hier größere Wahlmöglichkeiten und bessere Karrierechancen. Das ist nicht von der Hand zu weisen, wenn man beispielsweise die Zahlen der ausgeschriebenen Stellen im regionalen Vergleich betrachtet.

Diese Abwanderung trifft besonders strukturschwache Gebiete doppelt hart. Es fehlen die Fachkräfte in der ländlichen Region. Sie anzulocken ist schwer, weil sie sowohl aufgrund der Infrastruktur als auch bezüglich des Gehaltsniveaus mit den großen Städten nicht mithalten können. Damit werden solche Gegenden immer unattraktiver. Ein gutes Beispiel ist wohl der Ärztemangel im ländlichen Raum. Nicht zuletzt ist es in manchen Branchen deshalb schwer, Fachkräfte zu finden, weil die Bezahlung im Vergleich zu den Anforderungen schlecht ist.

Maßnahmen gegen
den Fachkräftemangel

Deutschland ist keine Blase, die im luftleeren Raum schwebt. Man kann also versuchen, dem Fachkräftemangel durch Migration zu begegnen. Innerhalb der EU ist es ja ohne weiteres möglich, Arbeitskräfte auch jenseits der eigenen Ländergrenzen anzuheuern. Die Sache hat nur einen Haken: Die EU-Staaten haben mit denselben Problemen zu kämpfen. Deshalb konnte der Fachkräftebedarf auf diese Weise nicht gedeckt werden. Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz erleichtert nun den Zuzug von qualifizierten Arbeitskräften aus dem Nicht-EU-Ausland. Aber auch hier gibt es – neben den üblichen bürokratischen Hürden – nicht nur eine Zu-, sondern ebenso eine Abwanderung. Zuzug aus dem Ausland darf darum ganz bestimmt nicht die alleinige Lösung sein, sondern es muss weitere Maßnahmen geben. Unter anderem gehört eine Verbesserung der Infrastruktur sowie eine angemessene Bezahlung dazu.

Auf der anderen Seite haben Arbeitgeber vieles selbst in der Hand, wenn sie qualifizierte Bewerber*innen ansprechen wollen. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Denn ihnen stehen selten dieselben Mittel und Voraussetzungen zur Verfügung, wie den „ganz Großen“, um im „War for Talents“ mitzuhalten. Trotzdem gibt es eine ganze Menge, was hier getan werden kann. Und das beginnt bereits im eigenen Unternehmen durch das richtige Personalmarketing und durch Employer Branding. Man darf eines nicht vergessen: Es ist nicht das Geld allein, das einen als Arbeitgeber attraktiv macht. Und das gilt heute mehr als je zuvor.

EMPLOYER BRANDING:

Eine starke Arbeitgebermarke kann ein Aushängeschild sein, um sich als „Place to be“ zu profilieren. In erster Linie dreht sich alles darum, wie man selbst als Unternehmen bei den Mitarbeiter*innen und Bewerber*innen wahrgenommen wird. Und wie auch in der Werbung: Je positiver eine Marke belegt ist, desto erfolgreicher ist sie und desto mehr sorgt sie für eine langfristige Bindung. Das Ziel von Employer Branding ist es, Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln und herauszustellen und so ein besonders attraktives Arbeitsumfeld zu bieten. Das sorgt nicht nur für Mitarbeiterbindung, sondern macht zufriedene Mitarbeiter*innen zu Botschaftern der Arbeitgebermarke. Um sich eine solche Marke zu erarbeiten, muss man die Bedürfnisse seiner Zielgruppe(n) kennen und das eigene Angebot darauf ausrichten.

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PERSONALMARKETING:

Hand in Hand mit dem Employer Branding geht das Personalmarketing. Beide Bereiche überschneiden und ergänzen sich zugleich. In Zeiten des Fachkräftemangels reicht es längst nicht mehr, eine offene Stelle zu inserieren und abzuwarten. Stattdessen gilt es, sich als Unternehmen zu bewerben. Ein nachhaltiges Personalmarketing deckt den gesamten Bewerbungsprozess – von der Anzeige bis zum Onboarding – ab. Es sorgt für eine positive Candidate Experience und umfasst zudem sämtliche Maßnahmen, die einen Arbeitsplatz herausragend machen.

Damit diese Instrumente funktionieren, muss man bei den potenziellen Bewerber*innen sichtbar werden. Das bedeutet in der heutigen Zeit vor allem, auf möglichst vielen Kanälen auffindbar und ansprechbar zu sein. Die eigene Webpräsenz – inklusive Karriereseite – zu pflegen und zu optimieren, gehört genauso dazu wie Öffentlichkeitsarbeit on- und offline. Eine geschickte Content Marketing Strategie sorgt dabei nicht nur für passende Themen und mehr Aufmerksamkeit, sondern bietet der Zielgruppe zugleich einen Mehrwert.

Ist man auf Personalsuche, lohnt es sich, den Fokus nicht nur auf die allseits bekannten Anzeigenplattformen zu legen. Die sogenannten Nischenportale bieten hervorragende Möglichkeiten zur gezielten Kandidat*innen-Ansprache. Branchenspezifische Jobbörsen beispielsweise richten sich genau an die gewünschte Zielgruppe. Hier liegt der Fokus von vornherein auf branchenrelevanten Themen und man profitiert zugleich von einem Branchennetzwerk. Das gilt gleichermaßen für regionale Jobbörsen, durch die sich beispielsweise Städte oder Städteverbunde auf Arbeitsmöglichkeiten vor Ort aufmerksam machen können.

Zusammenfassung
und Ausblick

Der Stellenmarkt unterlag 2020 starken Schwankungen. Dafür ist maßgeblich die Corona-Pandemie mit den damit zusammenhängen Beschränkungen und Unsicherheiten verantwortlich. Trotzdem waren weiterhin sehr viele Unternehmen auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeiter*innen. Denn, was man nicht vergessen darf: Jede Krise hat Gewinner und Verlierer. Gerade in der IT-, Logistik- und Gesundheitsbranche wurde verstärkt Personal benötigt. Wie unsere Analyse gezeigt hat, sind es leider auch genau diese Bereiche, in denen es einen Fachkräftemangel gibt.

Um dem Fachkräftemangel auf lange Sicht begegnen zu können, hilft vor allem eine strategische Personalpolitik. Das bedeutet aber, in Krisenzeiten nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern weiterhin in die Personalsuche zu investieren. Irgendwann geht jede Krise vorbei und die Märkte werden sich erholen. Wer vorausschauend handelt, hat in diesem Augenblick einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil an der Hand. Er muss sich nicht erst um Personalbeschaffung kümmern, wenn der Bedarf wieder steigt und die Konkurrenz auf dem Stellenmarkt zunimmt.

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Evgeniya KozachenkoEvgeniya Kozachenko
Senior Analyst / Teamleitung Marktforschung

e.kozachenko@index.de

+49 30 390 88 – 403

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