Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt Definition

Auf dem Arbeitsmarkt treffen Angebot und Nachfrage zusammen. Die Arbeitgeber stellen Arbeitsplätze zur Verfügung, während Arbeitnehmer auf der Suche nach einem passenden Arbeitsplatz sind. Beide Parteien werden durch die Jobvermittlung zusammengeführt. Diese Vermittlung kann durch die Bundesagentur für Arbeit oder eine private Stellenvermittlung erfolgen. Bei der Bundesagentur für Arbeit melden sich alle Arbeitnehmer, die arbeitslos sind und zeitnah wieder in ein Arbeitsverhältnis eintreten wollen. Private Arbeitsvermittlungsagenturen betreuen nicht nur Arbeitnehmer auf Jobsuche. Zu ihren Kunden zählen auch Menschen, die in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, sich beruflich jedoch verändern und weiterentwickeln möchten. Häufig wenden sich Arbeitnehmer auf Jobsuche auch an Zeitarbeitsunternehmen, die Arbeitskräfte auf Leihbasis an Unternehmen vermitteln. Auf diese Weise gelingt der Einstieg in den sogenannten Ersten Arbeitsmarkt oft leichter als durch Bewerbungen auf Stellenanzeigen. Wenn das Angebot an Arbeitskräften höher ist als die Nachfrage, steigt die Arbeitslosigkeit. Anfang 2020, vor der Corona-Phase, lag die Arbeitslosenquote in Deutschland bei knapp 5 Prozent.

Erster, Zweiter und Dritter Arbeitsmarkt

In Deutschland gibt es einen Ersten, Zweiten – und in München auch einen Dritten Arbeitsmarkt. Der reguläre Erste Arbeitsmarkt kommt ohne Förderungen, staatliche Zuschüsse und sonstige Lenkung durch die Politik aus. Suchende Unternehmen und Arbeitnehmer, also Angebot und Nachfrage, finden in der freien Wirtschaft zueinander. Arbeitnehmer bewerben sich auf ausgeschriebene Stellen in Printmedien und im Internet oder initiativ. Viele Firmen sprechen qualifizierte Fachkräfte auch persönlich an oder kontaktieren sie auf Karrierenetzwerken wie XING oder LinkedIn. Um Azubis und Trainees zu rekrutieren, setzen Unternehmen auch verstärkt auf anderen sozialen Medien wie Facebook und Instagram. Nach Vertragsabschluss stellen die Arbeitnehmer ihre Arbeitskraft einem Unternehmen gegen ein tarifgebundenes oder ausgehandeltes Entgelt zur Verfügung.

Der Zweite Arbeitsmarkt wurde für Menschen geschaffen, die auf dem freien Arbeitsmarkt kaum oder keine Chancen auf eine Anstellung haben. Er wird durch staatliche Maßnahmen reguliert und subventioniert. Zu den Fördermaßnahmen zählen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose im öffentlichen Sektor sowie Informationen zu Weiterbildungsangeboten und Qualifizierungen. Unternehmen, die schwer vermittelbare Arbeitskräfte einstellen, bekommen Zuschüsse zu den Löhnen und Beiträgen zur Sozialversicherung. Langfristig sollen diese Personen auf dem Ersten Arbeitsmarkt der freien Wirtschaft Jobs finden. Für Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen gibt es auf dem Zweiten Arbeitsmarkt geschützte Arbeitsplätze. Früher hießen diese Angebote „Geschützte Werkstätten“.

Der sogenannte Dritte Arbeitsmarkt existiert bislang nur in München. Ergänzend den arbeitsmarktpolitischen Leistungen des Bundes fördert die bayerischen Landeshauptstadt Langzeitarbeitslose mit einem eigenen Programm. Genau genommen handelt es sich um einen Teil des Münchener Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms (MBQ). Ziel ist es, schwer vermittelbare Arbeitskräfte in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder Soziale Hilfe-Stelle zu vermitteln. Für die Maßnahmen der rund 200 Geförderten stellt die Stadt München jährlich bis zu drei Millionen Euro bereit.

Allgemeine Arbeitsmärkte

Zum Arbeitsmarkt gehören beruflichen Tätigkeiten, für die ein Angebot durch Arbeitgeber und eine Nachfrage durch Arbeitnehmer besteht. Diese Arbeitsleistungen umfassen sowohl abhängige als auch selbständige Beschäftigungen. Die Arbeitsmärkte und damit auch das Arbeitskräfteangebot werden im Jahr 2020 in erster Linie durch die demografische Entwicklung bestimmt. Besteht langfristig eine geringe Geburtenrate, rücken nicht genug junge Erwerbstätige für die in Rente gehenden Arbeitskräfte nach. Dadurch kann es zu einem deutlichen, oft branchenübergreifenden und überregionalen Fachkräftemangel kommen. Daher werden Angebot und Nachfrage auch durch die Altersstruktur der Bevölkerung bestimmt. Ein weiterer Impulsgeber ist die Verteilung der Arbeit zwischen Frauen und Männern. In dieser Hinsicht spielt die Vereinbarkeit von Familie und Karriere vor allem für Frauen eine große Rolle. Denn auch im Jahr 2020 übernehmen Frauen den Großteil der Kindererziehung und Hausarbeit. Weibliche Erwerbstätige arbeiten daher häufig in Teilzeit oder scheiden ganz aus dem Erwerbsleben aus. Gründe für die niedrige Erwerbsquote von Frauen sind die unzureichend ausgebaute Kinderbetreuung und traditionelle Rollenbilder. Ferner wird der Arbeitsmarkt jedes Jahr durch die Zu- und Abwanderung von Arbeitskräften beeinflusst. Bei der Zuwanderung vieler unqualifizierter Fachkräfte können Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht kommen. Zudem entstehen mitunter hohe Kosten für die Sozialsysteme. Kritisch ist auch der sogenannte „Brain Drain“, die Abwanderung von Fachkräften in Großstädte oder ins Ausland. Diese stehen dem heimischen Arbeitsmarkt dann nicht mehr zur Verfügung.

Weitere Faktoren der Arbeitsmarktentwicklung

Die Lohnentwicklung wird maßgeblich durch die wirtschaftliche und politische Lage bestimmt. Aber auch unvorhergesehene Ereignisse wie die coronabedingte Kurzarbeit wirken sich auf das Gehalt aus. Grundsätzlich gilt: Je höher die Produktivität der Unternehmen ist, desto eher besteht eine Chance auf eine nachhaltig positive Lohnentwicklung – und neue Jobs. In diesem Fall werden die Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt. Die Interessen der Arbeitgeber werden von Arbeitgebervereinigungen und die der Arbeitnehmer von Gewerkschaften vertreten. In großen Unternehmen setzen sich auch Betriebsräte für die Anliegen der Beschäftigten gegenüber der Geschäftsführung ein. Zudem informieren sie die Arbeitnehmer zu ihren Rechten, vom Gehalt über die Arbeitszeiten bis hin zu Streitigkeiten mit Vorgesetzten und Kollegen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden als Tarifpartner bezeichnet, die Arbeitsbedingungen und Löhne festlegen. Nicht alle Branchen sind jedoch tarifgebunden. Diese Machtkonzentration und das Eingreifen der Politik, wie zum Beispiel den gesetzlichen Mindestlohn, beeinflussen den Arbeitsmarkt maßgeblich.

In Bezug auf den Verdienst sprechen Arbeitsmarktexperten in Deutschland seit Inkrafttreten der Agenda 2010 von drei verschiedenen Arbeitsverhältnissen: Minijobs (Bruttolohn bis 450 Euro/Monat), Niedriglohn-Jobs (Bruttolohn von 450,01 bis 800 Euro/Monat) und regulären Beschäftigungen (Bruttolohn ab 800,01 Euro/Monat). Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung untersucht seit 1968 die Entwicklung der Gehälter, Arbeitslosigkeit, Branchen, Berufsgruppen in wissenschaftlichen Studien.

Kein gleichartiges Angebot

Der Arbeitsmarkt unterscheidet sich vom freien Wirtschaftsmarkt, denn es liegt kein gleichartiges Angebot vor. Einen vollständigen Überblick über die Marktbedingungen gibt es weder für die Anbieter von Arbeitsplätzen noch für die Nachfrager von Arbeitsangeboten. Die Bedingungen der lokalen Arbeitsmärkte unterscheiden sich je nach Region zum Teil sehr stark. So bieten die meisten Metropolregionen und mittelgroßen Städte aufgrund ihrer guten Infrastruktur und breitgefächerten wirtschaftlichen Möglichkeiten einen recht ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Ländliche Gebiete und Kleinstädte gelten dagegen häufig als „abgehängt“. Das betrifft vor allem strukturschwache Regionen, von denen sich viele in den neuen Bundesländern und im Ruhrgebiet befinden. Hier ist die Suche nach attraktiven Jobs besonders schwer. Arbeitnehmer müssen deshalb heute regional und fachlich flexibel sein. Auch berufsbegleitende Weiterbildungen werden immer wichtiger.

Wie sich die Arbeitsmärkte in einer Region entwickeln, hängt von mehreren Faktoren ab. Ein Grund ist die Attraktivität von Städten und Gemeinden für Familien und Singles hinsichtlich des Job-Angebots, der Anbindung und der Freizeitaktivitäten. Daher zerfallen die Arbeitsmärkte regional und überregional in zahlreiche Teilarbeitsmärkte mit unterschiedlichen Voraussetzungen von Angebot und Nachfrage.