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Beschönigende
Jobtitel

Kategorien: Stellenmarkt | Recruiting | Personaldienstleistung | 11. März 2020

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Job-Upgrades, die besser klingen als sie sind

In Zeiten der Klima- und anderen Katastrophen ist es doch wünschenswert, wenn endlich wieder mal etwas „schön“ ist. Oder wenigstens „beschönigt“? So verhält es sich nämlich mit dem einen oder anderen Jobtitel. Auf diese Art steigt man schnell auf, etwa vom Ehrenamtler zum Non Profit Manager oder vom Hausmeister zum Facility Manager. Doch bei manchen ach zu abenteuerlichen Berufsbezeichnungen kommt man nicht umhin sich zu fragen: Halt, was wird hier eigentlich gesucht?

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(Nicht) jeder kann ein Manager sein

Die Vielzahl der modernen Berufsbezeichnungen ist sowohl aus der Internationalisierung und aus der Spezialisierung bestimmter Berufe entstanden. Außerdem sind die Bezeichnungen ja nach Land verschieden. In Großbritannien zum Beispiel hat ein Personal Assistent eine höhere Stellung als ein Executive Assistant, während es hierzulande genau umgekehrt ist.

Im Zeitraum eines Jahres (vom 28.02.2019- 29.02.2020) wurden rund 373 Tausend „Manager“ gesucht. Doch handelt es sich dabei wirklich um die hochbezahlten Posten, die einem bei dem Begriff unwillkürlich in den Kopf kommen?

Vom bereits genannten Non Profit Manager bis hin zum Facility Manager (Früher Hauswart/Hausmeister) – immer mehr Leute arbeiten im gehobenen Management, könnte man denken. Im genannten Zeitraum wurden 2787 Facility Manager und 37 Feelgood-Manager gesucht. Auch das Office Manager Game ist strong, dabei geht es um den früheren Beruf der Sekretär*innen, die die Schnittstelle zwischen Kunde/Mitarbeiter und Führungsetage bilden. Eine andere Bezeichnung dafür ist auch Head of Verbal Communications, Personal Assistant oder Administrative Assistant. Es ist kompliziert.
Man könnte meinen, bei Manager-Positionen handelt es sich immer um gut bezahlte Führungspositionen, doch weit gefehlt. Oft ist das nicht so.Leider führt die schier unendliche Kreativität in Sachen Jobbezeichnung zu großer Unübersichtlichkeit. Besonders die vielen Anglizismen verunsichern die Bewerber*innen.

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Die Happiness
ist ausgebrochen

Glücklich sein und glücklich machen liegt im Trend, auch in der Personalbranche. Da Glück aber nicht nur durch guten Willen und Instagram Captions allein gelingt, hat man es verlagert – und zwar in die Kopfzeile von Stellenanzeigen. Das Wording ist simpel aber kreativ, die Varianten sind endlos. Vom Happiness Hero bis hin zum Feelgood Manager wird überall gute Laune „gespreadet“. Soweit die Theorie. Beim Costumer Happiness Manager geht es um Kundenzufriedenheit und beim Feelgood-Manager um Büroorganisation oder, wie man früher gesagt hat, dieser Beruf bezeichnet ein „Mädchen für alles“. Innerhalb eines Jahres wurde in 815 Job-Titeln das Wort „happy“ erwähnt.

„Ein Chief Happiness Officers sorgt für die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen. Das steigert deren Motivation und Produktivität für die Firma.“

Glücklich sein und glücklich machen liegt im Trend, auch in der Personalbranche. Da Glück aber nicht nur durch guten Willen und Instagram Captions allein gelingt, hat man es verlagert – und zwar in die Kopfzeile von Stellenanzeigen. Das Wording ist simpel aber kreativ, die Varianten sind endlos. Vom Happiness Hero bis hin zum Feelgood Manager wird überall gute Laune „gespreadet“. Soweit die Theorie. Beim Costumer Happiness Manager geht es um Kundenzufriedenheit und beim Feelgood-Manager um Büroorganisation oder, wie man früher gesagt hat, dieser Beruf bezeichnet ein „Mädchen für alles“. Innerhalb eines Jahres wurde in 815 Job-Titeln das Wort „happy“ erwähnt.

Wenn dem so ist – brauchen wir dann nicht eigentlich alle einen Feelgood Manager?

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Du hast eine Vision? Wir haben da einen Job für dich

Visionäre braucht das Land. Wie wäre es zum Beispiel mit einer beruflichen Neuorientierung zum Vision Clearance Engineer?
Ein Titel, der wie gemacht scheint für Neudenker und Entscheider. Tatsächlich jedoch bezeichnet diese Position die des Fensterputzers. Ein Vision Clearance Engineer sorgt also zwar für einen besseren Durchblick, seine Zukunftsvisionen fließen aber nicht in seinen Arbeitsalltag mit ein.

Müllmann? Gibt es nicht mehr, jetzt gibt es die Waste Removal Engineers. Ist erstens genderneutral und zweitens einfach fancy. Auch, wenn niemand weiß, was gemeint ist.

„Müllmann? Putzfrau? Gärntner? So 2011.“

So wird der eher negativ konnotierte Titel „Putzfrau“ zuerst zur geschlechtsneutralen Reinigungskraft, dann zur Fachkraft für Bodenhygiene und schlussendlich gar zur „Environment Improvement Technician“. Der alte Beruf des Gärtner wird zum Technical Horticultural Maintenance Officer. Verrückt!!

Das Problem:
Die eigentliche Funktion
von Jobtiteln

Das Problem, das all diese kreativen Neologismen mit sich bringen ist: Jobtitel haben die Funktion, Bewerber*innen oder Kollegin*innen über die Position sowie die berufliche oder akademische Qualifikation zu informieren, mit der man es hier zu tun hat. Das gelingt nicht immer und stiftet eher Verwirrung sowie fragende Blicke. Könnte eine Vereinheitlichung der Hierarchiestufen und Begriffe eine Lösung sein?

Außerdem werden Jobs in Stellenbörsen natürlich eher unter ihrer geläufigen Bezeichnung von Interessierten gefunden. Es wäre fatal, wenn ein „Office Manager“ nicht seinen Traumjob findet, weil er nicht das Wort „Feelgood Manager“ kennt. Hinzu kommt, dass das Wording auf jeden Fall auch zur Firma passen sollte. Cultural Fit ist hier das Zauberwort.

Fun-Fact: Kein Beruf im eigentlichen Sinne, aber wusstet ihr, wie eine Hausfrau bzw. ein Hausmann noch genannt wird? Domestic Engineer.

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BILDQUELLEN Teaser-Bild: unspash.com; Headerbild: unspash.com; Beitragsbilder: unsplash.com, pixaby.com