Equal Pay

Bedeutet Equal Pay Zeitarbeit wirklich eine Verbesserung?

Mit der letzten Reformierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes vom 01. April 2018 hat der Gesetzgeber die sogenannte Equal Pay Vorschrift für Zeitarbeitnehmer eingeführt. Dieser neue Grundsatz sieht vor, dass Leiharbeitnehmer zu den wesentlichen Arbeitsentgelt- und Arbeitsbestimmungen zu beschäftigen sind, wie vergleichbare Arbeitnehmer der Stammbelegschaft in dem Entleih-Unternehmen. Equal Pay soll die Schlechterstellung von Leiharbeitnehmern verhindern, die für dieselbe Arbeit bisher in der Regel deutlich weniger verdient haben als fest angestellte Mitarbeiter.

Lohnt sich Zeitarbeit mit Equal Pay noch?

Genau in dieser finanziellen Schlechterstellung liegt jedoch der Reiz für Unternehmen, auf Leiharbeit zurückzugreifen. Sie sparen nicht nur die Lohnnebenkosten, sondern auch Kosten für die Entlohnung der betroffenen Mitarbeiter. Nur weil Zeitarbeitnehmer deutlich weniger verdienen als festangestellte Mitarbeiter, lohnt sich dieses Geschäftsmodell auch für die Zeitarbeitsfirmen, die ihren Kunden Mitarbeiter zu vergleichsweise günstigen Bedingungen zur Verfügung stellen können. Die Kundenbetriebe decken jedoch nicht nur Auftragsspitzen mit diesem Arbeitseinsatz ab, wie ursprünglich vom Gesetzgeber vorgesehen, sondern sparen langfristig hohe Personalkosten. Der flexible Arbeitseinsatz ist gleichfalls günstig für die Arbeitgeber, denn sobald die Auftragsspitzen abgearbeitet sind, kann das Kundenunternehmen den Leiharbeitseinsatz beenden. Der Arbeitgeber ist demzufolge nicht durch Kündigungsfristen an den Arbeitnehmer gebunden. Auf den ersten Blick erscheint Equal Payment eine erfreuliche Entwicklung zu sein, da sie eine wesentliche Verbesserung für die Leiharbeitnehmer bedeutet. Vereinfacht gesagt bedeutet dieser Gleichstellungsgrundsatz, dass Leiharbeitnehmer dieselben Arbeitsbedingungen und das gleiche Entgelt wie vergleichbare Mitarbeiter der Stammbelegschaft erhalten.

Equal Payment Zeitarbeit trifft jedoch nicht nur die Kundenbetriebe, sondern auch die Zeitarbeitsfirmen, die ihren Mitarbeitern nun deutlich bessere Gehälter und Löhne zahlen müssen. Auch im Bereich der Tarifbranchen gilt nach neun Monaten ununterbrochenem Einsatz der Equal Pay Grundsatz. Eine Ausnahme besteht für Branchenzuschlagstarife. Hier wird Equal Payment erst nach 15 Monaten gefordert. Was sich zunächst erfreulich anhört, ist in der Praxis jedoch nicht leicht umzusetzen. Um Zeitarbeitnehmer hinsichtlich der Vergütung genauso zu behandeln, wie die Mitarbeiter im Kundenbetrieb, sind detaillierte Informationen über die Entgeltstruktur notwendig. Nur wenn der Zeitarbeitsdienstleister weiß, wie sich die Löhne und Gehälter in dem Kundenbetrieb zusammensetzen, kann er den vom Gesetzgeber geforderten Gleichbehandlungsgrundsatz umsetzen. Die Berechnung von Equal Pay ist komplex und zudem unklar. Die Frage besteht dahingehend, welche Gehaltsbestandteile genau zu berücksichtigen sind. Hier ist nicht nur das regelmäßige Entgelt zur Berechnung heranzuziehen, sondern alle weiteren Bestandteile wie zum Beispiel Zuschläge.

Welcher Mitarbeiter ist vergleichbar?

Ein weiteres Problem besteht in der Formulierung „vergleichbarer Mitarbeiter“, die der Gesetzgeber nicht genau definiert hat. Das Zeitarbeitsunternehmen steht vor der schwierigen Frage, welcher Mitarbeiter der Stammbelegschaft als vergleichbar zu dem entsprechenden Leiharbeitnehmer anzusehen ist. Hier sind nicht nur das Entgelt heranzuziehen, sondern auch persönliche Merkmale wie besondere Qualifikationen und Betriebszugehörigkeit. In dieser Hinsicht sind Abgrenzungsfragen nicht selten. Es ist zu erwarten, dass Gerichte diese Frage im Zweifelsfall abschließend beantworten müssen. Für die korrekte Gehaltsabrechnung benötigt der Dienstleister verschiedene Informationen über die Entgeltstrukturen, einschließlich Zuschläge, Prämien sowie sonstige Zahlungen und Vergünstigungen. Für die Entleiher lohnt sich der Einsatz von Leiharbeitskräften nicht nur aufgrund der geringen Personalnebenkosten und der flexiblen Einsatzzeit, sondern auch wegen des geringen Verwaltungsaufwandes in der Personalabteilung. Die verantwortlichen Mitarbeiter in der Personalabteilung müssen jetzt einen umfangreichen Informationsaustausch mit dem Zeitarbeitsunternehmen führen und zahlreiche Entgeltberechnungen vornehmen und Dokumente zusammenstellen. Es ist anzunehmen, dass die meisten Unternehmen ihre Entgeltstrukturen nicht unbedingt gerne offenlegen.

Equal Payment Zeitarbeit bedeutet höhere Personalkosten

Mit Equal Pay Zeitarbeit steigen die Kosten für Entleihunternehmen für diesen flexiblen Arbeitseinsatz, was sicherlich auch nicht gerade für Freude sorgt. Ein deutlicher Rückgang der Zeitarbeit Equal Pay ist jedoch nicht zu erwarten, denn die Arbeitsflexibilisierung im Unternehmen bleibt bestehen. Das Unternehmen ist nicht durch Kündigungsfristen und die damit verbundenen Nachteile an den Arbeitnehmer gebunden und kann den Beginn und das Ende des Leiharbeitseinsatzes selbst bestimmen, vorausgesetzt, die Höchstentleihdauer für 18 Monate wird nicht überschritten.